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Sucht und Migration

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Migration und Sucht

Behandlungsangebot für türkischstämmige Abhängigkeitserkrankte

Die sich vollziehenden gesellschaftlichen, sozial- und gesundheitspolitischen sowie soziodemographischen Veränderungen in Deutschland haben dazu beigetragen, dass sich das öffentliche Interesse in den letzten Jahren auf die gesellschaftliche Gruppierung der hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund richtet. Ein häufigeres Auftreten von psychosomatischen, psychischen und Abhängigkeitserkrankungen unter Migranten macht deutlich, dass auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Migration und Gesundheit bzw. Krankheit zunehmend an Bedeutung gewinnt und in Folge spezifische Behandlungsangebote fordert, die die kulturellen, religiösen, sozialen und sprachlichen Unterschiedlichkeiten, wie auch die daraus resultierenden abweichenden Kommunikations- und Deutungssysteme in besonderer Weise berücksichtigen. In Anlehnung an die Sonnenberger Leitlinien zur psychiatrisch-, psychotherapeutischen Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund versuchen wir mit unserem speziellen Behandlungsangebot für türkischsprachige Abhängigkeitserkrankte in besonderer Weise dem Thema Migration und Sucht Rechnung zu tragen. Den türkischstämmigen Patientinnen und Patienten werden insgesamt 20 – 24 Therapieplätze in zwei gemischtgeschlechtlichen Therapiegruppen vorgehalten. Das Besondere des örtlichen Entwöhnungsangebotes ergibt sich aus dem Schwerpunkt im muttersprachlichen Therapieansatz (Türkisch). Die für diese Patientinnen und Patienten zuständigen therapeutischen, sozialarbeiterischen und ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eigene Migrationserfahrung und sprechen neben Deutsch auch Türkisch, da eine angemessene und effektive psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund eine hinreichende transkulturelle Kompetenz voraussetzt.

Behandlungsangebot

Neben den muttersprachlichen Einzel- und Gruppentherapien nehmen die Patientinnen und Patienten an allen anderen Therapieangeboten teil, in denen Deutsch die primäre Sprache ist. Hintergrund dieser Planung ist, dass neben der Sicherstellung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung durch kulturelle Nähe zwischen Patient und Therapeut auch die Integration in die deutsche Gesellschaft unabdingbares Ziel bleibt.

Durch die engen Kontakte mit ausschließlich Deutsch sprechenden Mitpatientinnen und Mitpatienten (z. B. in Beschäftigungs-, Arbeits-, Sport- und Physiotherapie sowie in speziellen Indikationsangeboten) wird dieser Integrationsaspekt eingeübt. Sofern Sprachprobleme bestehen, sollen Sprachkurse den Patientinnen und Patienten helfen,
Lücken in deutscher Sprache und Schrift zu schließen.

Indikationen

Das Behandlungsangebot richtet sich an türkischstämmige Frauen und Männer ab einem Alter von 18 Jahren, bei denen eine Alkohol-, Medikamenten und / oder Mehrfachabhängigkeit einschließlich Spielsucht vorliegt. Körperliche und psychosomatische Folge- und Begleiterkrankungen werden mitbehandelt. Menschen mit akuten Psychosen, stark ausgeprägten kognitiven Störungen, akuter Suizidalität oder intensivmedizinisch behandlungspflichtigen körperlichen Erkrankungen können leider nicht behandelt werden.

Antragstellung

Die Antragstellung für diese besondere Therapieform erfolgt wie zu einer regulären Entwöhnungs-behandlung in der Regel über eine Suchtberatungsstelle, einen Kliniksozialdienst, das Gesundheitsamt oder einen betrieblichen Sozialdienst. Aus dem Antrag für die Kostenübernahme sollte dabei hervorgehen, dass die Patientin oder der Patient die oben genannten indikativen Kriterien erfüllt und eine Behandlung mit dem Schwerpunkt Migration und Sucht anstrebt.